Wort zum Sonntag

Das „Wort zum Sonntag“ von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Mindener Land gibt es in der Samstagsausgabe des Mindener Tagesblatts – und darüber hinaus auch hier.

Jetzt aber raus!

Ein Hoch auf den Spaziergang

Drinnen ist dicke Luft. Da rauchen Köpfe. Da wird malocht. Probleme werden gewälzt und Strategien gesucht. Die Stimmung ist schlecht. Und kein guter Plan, keine geniale Lösung in Sicht.

Ich gucke aus dem Fenster. Draußen scheint die Sonne. Bäume recken ihre Zweige in den Himmel. Ein leichter Wind weht. Sieht von hier jedenfalls so aus. Ich wette, man hört draußen Amseln singen. Ich will raus!

Empfiehlt schon Paul Gerhardt: Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben.

Nützt Rausgehen eigentlich was? Schließlich müssen die Probleme gelöst werden. Die Arbeit muss gemacht werden. Dabei können Rausgehen und Freude suchen und die liebe Sommerszeit doch nun wirklich nicht helfen. Oder?

Oder Rausgehen und Freude suchen und die liebe Sommerszeit sind dringend nötig. Eine Runde gehen. Sommerluft schnuppern. Bäume bestaunen. Vogelgezwitscher hören. Damit der Kopf wieder frei wird. Damit wir Wichtiges und Unwichtiges wieder unterscheiden können. Und das, was wir tun und das, was wir nicht ändern können.

Möglicherweise können in der lieben Sommerszeit nicht nur Blumen wachsen. Sondern auch unser Vertrauen. Wenn wir das Leben spüren. Das uns Gott geschenkt hat, der uns genau wie Bäume und Amseln und alles, was lebt in seinen liebevollen Händen hält. Vielleicht werden wir gelassener, erfindungsreicher, geduldiger, mutiger und tatkräftiger, wenn wir uns an der lieben Sommerszeit freuen. Und an Gottes Gaben. Weil die uns zeigen, dass da noch mehr ist als das, was wir wissen und können und schaffen.

Jetzt aber raus. Kleiner Spaziergang. Vielleicht gibt es unterwegs sogar ein Eis. Das wäre doch mal was: Einen Spaziergang auf die Tagesordnung setzen und auf jede volle To Do Liste schreiben.

Also: Jetzt aber raus!

Catharina Bluhm

Catharina Bluhm

Pfarrerin der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Simeonis – St. Thomas Kirche

Ja, mit Gottes Hilfe

Zur Trauung gehören diese Worte dazu: „Ja, mit Gottes Hilfe“. Bei der Vereidigung der neuen Bundesregierung war es dem Kanzler und seinem Kabinett freigestellt, ob sie den Eid mit der religiösen Beteuerung sprechen: „So wahr mir Gott helfe.“ Und wenn wir in der Diakonie Stiftung Salem neue Mitarbeitende in einem Gottesdienst einführen, dann segnen wir sie für ihren Dienst. Auch dabei setzen wir „auf Gottes Hilfe“.
Man kann unterschiedlicher Meinung sein, bei welchen Anlässen solch eine „religiöse Beteuerung“ angebracht ist und wo nicht. Jesus war beim Thema Schwören eher zurückhaltend. So empfahl er: „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Matthäus 5,37)
Doch was das Gottvertrauen angeht, da war Jesus ganz klar: wir kommen ohne gar nicht aus. Ohne Gottes Segen geht es nicht. Wir wären verloren ohne Gott.
In der diakonischen Arbeit werden wir Tag für Tag daran erinnert. Denn trotz aller Professionalität, trotz des großartigen Engagements von über 3.000 Mitarbeitenden haben wir das Leben und die Problemlagen, die sich ergeben, nicht in der Hand. Da kann ein Schicksalsschlag das Leben einer ganzen Familie von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Da führt eine Krankheit unversehens zu einer Pflegebedürftigkeit. Und nicht nur die betroffene Person, sondern auch für ihr Umfeld ergeben sich gravierende Veränderungen.
Durch kompetente Beratung, durch gute Pflege, durch menschlichen Zuspruch kann an vielen Stellen geholfen werden. Und doch kommen auch die besten Helfer*innen hier und da an ihre Grenzen. Spätestens dann zeigt sich: ohne Gottes Hilfe geht es nicht.
Wem das einmal bewusst geworden ist, der wird auch in ganz alltäglichen Situationen erkennen, wie hilfreich Gottes Segen ist. Darum ist es uns wichtig, unsere diakonische Arbeit „mit Gottes Hilfe zu tun“. Wir sind auf Gottes Unterstützung angewiesen und wir dürfen seinen Segen weitergeben. Übrigens gilt das nicht nur für Mitarbeitende der Diakonie Stiftung Salem.

Pfarrer Thomas Lunkenheimer

Pfarrer Thomas Lunkenheimer

Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem

„Wessen Geistes Kind bin ich?“

Am vergangenen Sonntag, treue Leserschaft, feierten Christen das Pfingstfest. Mit der Sendung des Heiligen Geistes wandelt sich die Geisteshaltung der Jünger Christi grundlegend. Sie werden von einer Gruppe ängstlicher, zurückgezogener Individuen zu einer großherzigen und begeisternden Schar, die für immer das Gesicht der Welt verändern wird.
Die Geisteshaltung eines Menschen kann man sehr schnell mit einer Frage erkunden: wie gehe ich mit mir selbst, mit meinem Mitmenschen und mit meinem Besitz um? Viele Menschen ähneln heute den Jüngern vor der Geistsendung. Sie ziehen sich in ein scheinbar sicheres Versteck zurück, konzentrieren sich auf sich selbst und versuchen die böse Welt da draußen möglichst auszublenden. Von außen betrachtet nicht sonderlich attraktiv, aber wenigstens wird der Status Quo gewahrt.
Was wird aber bei einer solchen Geisteshaltung aus der steten Sehnsucht des Menschen nach dem MEHR?
Ein reines Anhäufen von Besitz? Ein Blick auf den anderen unter der Prämisse: was nützt er oder sie mir? Ein Verhältnis zur Welt, das geprägt ist von der Annahme, alles sei schlecht?
Christen glauben, dass der Geist, der vor 2000 Jahren die Jünger inspirierte, auch heute noch derselbe und genauso wirksam ist, wie damals. Dieser Geist entfaltet sich siebenfach: in Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. In jedem Menschen liegt das Potential, diese Gaben zur Blüte zu bringen.
Die erste Frucht des Geistes bei den Jüngern ist, dass sie ihr Haus verlassen. Sie lassen die Angst zurück und gehen auf die Menschen zu. Sie sprechen auf einmal viele unterschiedliche Sprachen und damit verbunden weitet sich ihr Horizont. Die Jünger verkünden die frohe Botschaft bis an die Enden der Erde.
Und heute? Der geistbewegte Mensch ist sich bewusst, dass er daran gemessen wird, was er verschenkt hat. Er sieht im anderen immer mehr als seinen reinen Nutzen und bleibt davon überzeugt, dass das Gute am Ende siegt.
Lassen sie sich begeistern und entdecken Sie, wessen Geistes Kind sie sind oder werden wollen.

Frederic Kernbach

Frederic Kernbach

Pastor am Dom zu Minden